Presseberichte

 Der Deutsch-Amerikanische Frauenclub Feiert Seinen Geburtstag

Hähnchen mit Schokoladensoße? Für eine Berliner Hausfrau in den 60er Jahren unvorstellbar!

Während auf deutschen Tellern als Gipfel der Exotik noch Toast Hawaii lag, gehörte Chocolate Chicken bereits zum Standard-Repertoire in US-Küchen.
Den Gründerinnen des Deutsch-Amerikanischen Frauenclubs Berlin ging es 1962 jedoch nicht nur um die kulinarischen Unterschiede. „Wir wollten die Kultur des anderen Landes besser kennenlernen, wissen, wie die Amerikanerinnen leben“, sagt Hannelore Hardtwich (84), eines der 200 Gründungsmitglieder des Vereins, der sich seit 50 Jahren für die Freundschaft zwischen Deutschland und Amerika stark macht.

Bei Koch- und Gesprächsabenden tauschten sich die Berlinerinnen mit den Frauen der amerikanischen Besatzungskräfte aus. Die Deutschen gaben z. B. Sprachkurse, unterstützten die Familien aus den USA bei der Schul- und Wohnungssuche.
„Aus diesem Miteinander haben sich intensive Freundschaften entwickelt“, so Anne Hoverdt (82), ebenfalls eine der Club-Gründerinnen.

1994 verabschiedeten sich die amerikanischen Truppen aus West-Berlin. Doch der Frauenclub blieb. „Heute sind soziales Engagement und ein Studentenaustauschprogramm Mittelpunkt unserer Arbeit“, so Club-Präsidentin Doris Linne (62).

So kamen z. B. auch die amerikanischen Studentinnen Kelsey Rader (21) und Michelle Pederson (20) nach Berlin. Der Frauenclub macht es möglich, dass sie hier ein Jahr lang studieren.
Und ihre Ziele unterscheiden sich gar nicht so von den damaligen: Sie wollen die deutsche Sprache und Kultur kennen lernen, alles über die Geschichte der Hauptstadt erfahren. Und dazu gehört eben auch die deutsch-amerikanische Freundschaft.

Am 5. Mai feiert der Club im Hotel Esplanade sein Jubiläum.

BZ vom 01.05.2012 (Rubrik „Berliner Helden“) – Link zum Artikel

Berlins First Ladys

Als 1962 der „Deutsch-Amerikanische Frauenclub von Berlin“ gegründet wurde, war die Liebe der Berliner zu den USA noch ohne Einschränkungen. Ein Jahr nach dem Mauerbau war die wichtigste Schutzmacht ausschlaggebend fur die Existenz West-Berlins. Im Jahr nach der Gründung sprach John F. Kennedy die legendären Worte „Ich bin ein Berliner“ Die Gründung ging zurück auf private Kontakte von hier lebenden Amerikanerinnen mit den Ehefrauen ihrer deutschen Ansprechpartner. Es ging ihnen bei Foto: Georg Moritzder Gründung um die Mitarbeit an gemeinnützigen Aufgaben im Geiste intemationaler Verbundenheit. Austauschprogramme und soziale Hilfestellungen stehen auch für Doris Linne, die derzeitige Präsidentin im Mittelpunkt des Engagements.
Zur Feier des 50-jährigen Klub-Bestehens am heutigen Samstagabend im Grand Hotel Esplanade soll ein Scheck überreicht werden für den Studentenaustausch des „Verbandes der Deutsch-Amerikanischen Clubs“ Die Schirmherrschaft über die Feier haben der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und US-Botschafter Philip D. Murphy übernommen.
Mit dabei sein will auch Cornelia Heinemann, die Geschäftsführerin des Vereins Mosaik. Seit 1965 beschäftigt und betreut der Verein Behinderte, und so lange dauert auch schon das Engagement des Frauenklubs für diesen Verein. Aus Anlass des Jubiläums unterstreicht Philip Murphy die Bedeutung von Frauenclubs in den USA und ihr Engagement für Menschenrechte und Werte. Wowereit attestiert dem Klub „einen beachtlichen Beitrag zur Lebendigkeit und Nachhaltigkeit der Beziehungen zwischen Berlin und seinen amerikanischen Freunden“ Inzwischen fällt es schwer, amerikanische Mitglieder für den Klub zu gewinnen, aber Doris Linne, die selber eine Weile in Südamerika gelebt hat, ist zuversichtlich, dass sich das mal wieder ändert. Attraktiv ist für sie vor allem das Klubleben mit Interessengruppen und Traditionen wie dem Thanksgiving Dinner. Die 62-jährige ist seit sechs Jahren im Klub. Bi

Tagesspiegel vom 05.05.2012 (Rubrik „Stadtmenschen“) – Link zum Artikel

Werkstattfür Behinderte

„Unser Werkzeug ist die Arbeit“
Der Deutsch-Amerikanische Frauenclub gründete 1965 die erste Werkstatt für Behinderte

Von Karoline BeyerKonzentriert steckt Stefanie den Fernsehturm in eine kleine, längliche Tüte. Nadir neben ihr verpackt sie dann in einem weißen Karton. Nacheinander verschwinden zahlreiche knallbunte Spielfernsehtürme vom Tisch. Im Raum nebenan sitzt Birol mit seinen Kollegen, schiebt kleine Drähte in Telefonsteckdosen und legt sie anschließend in eine Kiste.

Alle wirken motiviert. Sie sind froh, hier zu arbeiten, in den Mosaikwerkstätten für Menschen mit Behinderung am Paul-Lincke-Ufer in Kreuzberg. Dass sie das können, haben sie dem Engagement vieler Menschen zu verdanken. Eigentlich auch schon den Gründern. Und die feiern heute ihr 50. Jubiläum. Der Deutsch-Amerikanische Frauenclub von Berlin e.V. entstand, damit sich Berlinerinnen und die Frauen der amerikanischen Truppenangehörigen anfreunden konnten. Aber er sah von Beginn an eine seine Hauptaufgabe in sozialem Engagement. Er verankerte den Beitrag zur Völkerverständigung und Wohltätigkeit sogar in seiner Satzung. 1965, drei Jahre nach seiner Gründung, beschlossen die Mitglieder, etwas für Menschen mit Behinderung zutun. „Einrichtungen, in denen sie betreut und beschäftigt werden konnten, waren sehr rar“, sagt Doris Linne (62), Präsidentin des Clubs. „20 Jahre nach dem Krieg war es noch nicht selbstverständlich, dass Menschen mit Behinderung erwachsen werden.“ Es habe zwar eine Senatseinrichtung gegeben. „Aber die nahm nur Menschen mit Behinderung auf, die mindestens 30 Prozent einer normalen Arbeitsleistung erbringen konnten. Und das war bei vielen nicht möglich.“ In einer Zehlendorfer Wohnung eines amerikanischen Offiziers gab es die ersten fünf Betreuungsplätze. Die Damen des German-American Women’s Club packten selbst mit an, strichen die Räume, richteten sie ein und sorgten für die Mahlzeiten der Menschen, die beschäftigt wurden.“ Die Einrichtung wuchs, die Betreuung wurde immer umfangreicher, bald gab es erste öffentliche Fördermittel und Sozialarbeiter wurden eingestellt. Inzwischen sind die Mosaikwerkstätten ein großes, gemeinnütziges Unternehmen im Sektor Lohnarbeit geworden, in dem rund 1000 Menschen beschäftigt sind, das aber nach wie vor keinen Profit machen darf. Es gibt vier Standorte in Spandau, Reinickendorf, Mitte und Kreuzberg. Die Club-Damen spendieren in jedem Jahr ein Sommerfest und eine Weihnachtsfeier und ab und zu Rollstuhlurlaube, das heißt barrierefreie Reisen.

Zu Beginn seiner Zeit bestand der Club zur Hälfte aus Amerikanerinnen und Deutschen. Vor allem durch den Abzug der Alliierten nach dem Fall der Mauer änderte sich das. Mittlerweile sind sie zum überwiegenden Teil deutsche Mitglieder – insgesamt aber 135. Die Treffen finden nach wie vor in den Privathäusern statt. „Für die Berlinerinnen war es früher sehr spannend, einen Blick in die amerikanischen Haushalte zu werfen“, sagt Doris Linne. Es gibt 12 verschiedene Interessengruppen, darunter eine Lunchgruppe, eine Bridgegruppe, eine Literaturgruppe und eine Gruppe für „English Conversation“. Die Ziele des Clubs haben sich über die Jahrzehnte nie verändert. Immer noch hat „Welfare“, die Wohlfahrt, oberste Priorität. Deshalb hat die Welfare-Gruppe auch die meisten Mitglieder, die ihre Treffen der Planung von wohltätigen Ereignissen, wie Basaren oder Charity-Veranstaltungen widmen. Außer um „Mosaik e.V.“ kümmern sie sich unter anderem noch um einen Studentenaustausch zwischen Deutschland und den USA. Sie unterstützen die jährlich rund 25 Studenten bei der Bürokratie, vermitteln ihnen Unterkunft und Kontakte. 30 deutsche Studenten gehen jedes Jahr in die USA. „Wir kontaktieren dafür die amerikanischen Partner-Unis des Verbandes Deutsch-Amerikanischer Clubs und übernehmen auch die Studiengebühren, denn die können bis zu 40.000 Euro betragen.“

Aber Mosaik mache wirklich den größten Anteil der Welfare aus, sagt Doris Linne. Rund 1000 Menschen arbeiten an Produkten und Material, die von anderen Unternehmen, darunter zahlreiche Berliner Start-up-Unternehmen, geliefert werden. Viele arbeiten aber auch beim Tochterunternehmen „Mosaik-Service“ in der Gastronomie: Die „Schwartzsche Villa“ in Steglitz, das „Charlottchen“ in Charlottenburg“ und das „Forsthaus Paulsborn“ in Grunewald. Außerdem gibt es einen Ökobauernhof in Kuhhorst bei Fehrbellin in Brandenburg. Die Beschäftigten sollen möglichst für den ersten Arbeitsmarkt fit gemacht werden. „Wir haben einen Integrations-Auftrag“, sagt Werkstattleiter Günter Albrecht (60). „Unsere Hauptaufgabe ist es, Menschen weiterzubilden und in die Gesellschaft einzugliedern“, sagt Günter Albrecht. „Unser Werkzeug dafür ist die Arbeit.“

Ihr Jubiläum feiern die Club-Damen heute im Grand Hotel Esplanade mit Empfang, Dinner und einem Musikprogramm der Bigband der Musikschule Steglitz-Zehlendorf. Auch die Männer dürfen dabei sein. Die Menschen mit Behinderung in den Mosaikwerkstätten freuen sich schon jetzt auf das stimmungsvolle Sommerfest mit den Damen des German-American Women’s Club. „Für unsere Mosaik-Beschäftigten ist es ein Riesenereignis“, sagt Günter Albrecht. „Und sie empfinden es vor allem als große Wertschätzung ihrer Arbeit.“ Im vergangenen Jahr fand es im Britzer Garten statt, wo es 2012 sein wird steht noch nicht fest. „Die meisten Gäste sind schon alte Bekannte – es wird wieder ein sehr herzliches Zusammensein,“ sagt Doris Linne.

© Berliner Morgenpost 2013 – Alle Rechte vorbehalten

Berliner Morgenpost vom 05.05.2012 – Link zum Artikel

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