Teufelsberg

Teufelsberg2Historische Führung 

Am 18. Juni 2016 hatten wir für eine Gruppe interessierter Mitglieder und deren Freunde eine historische Führung auf dem Teufelsberg organisiert, wo inzwischen Teile der ehemaligen Abhörstation der Amerikaner zu besichtigen sind. Wir wurden von einem Zeitzeugen herumgeführt, der während seiner Militärzeit dort gearbeitet hat.

Um 1915 entstand durch einen „Dauerwaldvertrag“ des Magistrats von Berlin das Naherholungsgebiet Grunewald, zu dem der Teufelsberg gehörte.
1933  ignorierte Hitler diesen Vertrag und plante,  auf dem Gelände eine neue Hochschulstadt zu bauen. Die Grundsteinlegung erfolgte 1937. Bedingt durch den Krieg wurde das Vorhaben 1940 eingestellt.
1945, am Ende des Krieges, waren ein Drittel der Gebäude Berlins zerstört. Die riesigen Trümmerberge mussten irgendwo abgelagert werden. Dieses Gelände eignete sich dafür.  Bis 1972 wurden auf dem Gelände 26.181.310 Kubikmeter Schutt abgekippt, zuerst planlos, später entstand im Rahmen von Landschaftsplanung der heutige Teufelsberg.
Teufelsberg1Obwohl der Teufelsberg zur Britischen Besatzungszone gehörte, zeigten nicht nur die Briten sondern auch die Amerikanischen Alliierten frühzeitig Interesse am Teufelsberg, der sich als optimaler Standort für Spionagezwecke erwies. Bis zum Ende des Kalten Krieges 1989 diente die Kuppe des Berges mit der Field Station ausschließlich Abhör- und Spionagetätigkeiten. Mit vier Radomen, in denen sich Satellitenschüsseln drehten, von denen Funksignale ausgesendet wurden, hörten die Alliierten den Funkverkehr des Warschauer Paktes, der DDR Behörden, der Armeen und der UDSSR ab. Die Reichweite dieser Abhöranlage muss so beachtlich gewesen sein, dass die Mitarbeiter scherzhaft sagten, man könne hören, wenn sich der russische Präsident die Zähne putzte.
Nach dem Abzug der Alliierten Truppen erfolgte 1992 die Demontage der Abhöreinrichtungen, Entfernung sämtlicher Unterlagen, das Grundstück wurde dem Land Berlin zurückübertragen.
1996 verkaufte die Stadt Berlin das Grundstück an eine Investorengemeinschaft, die Pläne für ein Freizeitareal, Hotels und  Wohnräume konnten letztendlich aus finanziellen Gründen nicht  realisiert werden, denn nach dem Verkauf hatten sich Bürgerinitiativen gebildet, die gegen die Bebauung des Geländes klagten. Durch diese Widrigkeiten in eine finanzielle Schieflage geraten, stoppte das Unternehmen den weiteren Ausbau. Demzufolge erlosch 1998 folgerichtig die Baugenehmigung.
2005 wurde die Rechtsverordnung für den Entwicklungsplan aufgehoben, private Bauvorhaben waren in Zukunft nicht mehr möglich. Auf Grund von Diebstahl und Vandalismus wurde die noch vorhandenen Anlagen auf dem Teufelsberg vollständig zerstört.
2010 übernahm ein Pächter das Gelände und die Überwachung, sorgte für einen geregelten Besucherbetrieb. Er initiierte eine Graffiti-Galerie, inzwischen die größte Galerie Europas.
Die Ausführungen unseres Begleiters waren unglaublich spannend und interessant. Wir wurden durch die verbliebenen Gebäudeteile über zwei zentrale Arbeitsplattformen auf das Plateau der Central Unit und in den Tower geführt. Ein Höhepunkt war sicher der einzigartige Ausblick vom zweithöchsten Berg der Stadt und dann natürlich die Akustik in den Kuppeln der Central Unit.  Eine lustige Idee: Wir bekamen den Text der „Ode an die Freude“ und die Gruppe durfte singen – ein eindrucksvolles  Klangerlebnis.
Am Tage unseres Besuchs und am Tag danach fanden Aktionstage für die Graffitikünstler statt. Viele waren angereist. Es war ein reges Treiben, bei dem wir zuschauen konnten.
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